Garnelen
Autor - Jürgen Mörs / August 2011
Der Aufbau einer Garnele
Die Ordnung der Zehnfusskrebse (Dekapoden), zu der auch die Familie der Süßwassergarnelen zählen, sind alle nach dem
Bauplan der Krebstiere einzuordnen. Der vordere Teil der Garnele -Carapax-, auch Kopf.- Brustbereich ist das Herzstück
einer Garnele, ihm folg der Hinterleib -Abdomen-. Am Schluss einer Garnele ist der Schwanzfächer, bestehend aus vier
Uropoden sowie mittig der Telson bzw. die Telsonspitze mit dem Hinterleib verschmolzen. Unterhalb des Telson befindet
sich der Darmausgang. Der Darm ist beginnend innerhalb des Carapax, dort befindet sich der Vormagen im Anschluss zum Darm über den Hinterleib. Der gesamte Verdauungstrakt im Carapax nimmt daher auch den größten Teil der inneren
Organe ein. Sehr gut ist der innere Aufbau einer Süßwassergarnele daher an den fast transparenten Neocaridina -
White Pearl zu erkennen.
Die Panzerung & Häutung einer Garnele
Die Garnele besitzt über den gesamten Körper eine Panzerung -Exoskelett- oder stabilisierendes Außenskelett, fest und doch beweglich. Dieser
Panzer dient so den Wirbellosen, denen das innere Skelett fehlt als Schutz vor Verletzungen. Das Exoskelett besteht aus
Chitin um der Garnele die möglichen Bewegungen zu verleihen. Da die Garnelen im laufe des Lebens ständig
Wachstumsphasen durchleben, der Panzer der Garnele aber nicht mitwachsen kann, muss sich die Garnele in
regelmäßigen Abständen einer Häutung unterziehen. Je nach alter der Garnele geschieht dies ca. alle vier bis sechs Wochen
bei geschlechtsreifen Tieren. Junggarnelen, die voll in der Wachstumsphase stehen häuten sich fast täglich.
Ältere Garnelen hingegen die nahe zu die Endgröße erreicht haben, hier ist der Häutungsabstand größer. Unbedingt zu
vermeiden sind größere Temperaturschwankungen bei einem Wasserwechsel, dass es zu einer Schockhäutung führen kann.
Gerne wird so durch diese Temperaturschwankung eine Fortpflanzungsstimulation eingeleitet, dies aber auch zum Ableben
einzelner Garnelen führen kann. Daher ist es anzuraten eine natürliche Temperaturschwankung über die Raumtemperatur
zu simulieren.
Die Häutung im einzelnen einer Garnele
Steht der Zeitpunkt der nächsten Häutung an, hat sich schon ein neuer noch weicher Panzer über den Körper der
Garnele gelegt. Zwischen dem neuen Panzer und dem alten Panzer füllt sich der Zwischenraum mit einem Schleimsekret
die das spätere Häuten so erheblich erleichtert. Selbst die Antennen sowie das Mundwerkzeug und die Beine werden
bei dem Häutungsprozess mit gehäutet. Durch krümmende Bewegungen erzielt die Garnele eine sogenannte
Sollbruchstelle im Nackenbereich am Ende des Carapax, aus der sie dann in Bruchteilen von Sekunden rückwärts aus dem alten Panzer
springt. Die frisch gehäutete Garnele, der neue Panzer noch weich und angreifbar, wird sie sich so in diesem Stadium
erst einmal zurückziehen bis der neue Panzer vollständig ausgehärtet ist. Handelt es sich um ein frisch gehäutetes
weibliches Tier, so wird diese systematisch von den männlichen Tieren gesucht.
Was passiert bei einer weiblichen fortpflanzungsbereiten frisch gehäuteten Garnele
Der weibliche Zyklus ist so bestimmt, dass eine weibliche Garnele schon im Vorfeld im Nacken einen Nackenfleck (spätere
Eier) sichtbar je nach Farbkleid zu erkennen produziert. Aus diesem Nackenfleck reifen in einer Zeit von ca. vier Wochen
die Eier heran. Ist der Zeitpunkt der Reife der Eier gekommen, setzt meist auch der Häutungsprozess ein. Während der
Häutung gibt die weibliche Garnele zusätzlich Duftstoffe (stimulierende Pheromone) frei. Diese Duftstoffe sind ein GO für die
männlichen Garnelen nach diesem paarungsbereiten Weibchen zu suchen. In Wellenbewegungen ziehen nun alle
männlichen Tiere auf der Suche nach dem Weibchen durch das Aquarium. Dieser Zeitpunkt nennt man auch
Paarungsschwimmen und zeigt dem Pfleger die nächste kommende Generation an.
Zurück zur eigentlichen Häutung
Der alte abgeworfene Panzer der Garnele wird -Exuvie- benannt. Oft passiert es gerade nach oder während der Häutung,
dass Garnelen daran verenden. Man muss bedenken das die Häutung selber ein enormer Kraftakt für eine Garnele
darstellt. Stimmen zugleich die Hälterungsbedingungen im Aquarium nicht, so führt es sehr oft zum Ableben einer Garnele.
Auch Häutungsprobleme in dem sich ein Tier nicht vollständig häuten kann, oder wenn Deformationen einzelner Körperteile
auftreten, hier sollte immer versucht werden der Ursache auf den Grund zu gehen und gegebenenfalls die Wasserqualität
verbessert werden. Der Einsatz für bestimmte Fläschchen an Wundermitteln halte ich für falsch und kommt gegen einen
zusätzlichen an die Temperatur angepassten Frischwasserwechsel nicht an. Daher bei Problemen in jeglicher Hinsicht der Pflege
bei Garnelen den intervallen Wasserwechsel erhöhen.
Die Fortpflanzung bei Garnelen
Kommen wir zurück zu dem Nackenfleck oder Eifleck ( die späteren Eier ) der sich im Nackenbereich bei paarungsbereiten
oder geschlechtsreifen weiblichen Tieren bildet. Wie erwähnt, je nach Farbkleid ist dieser Nackenfleck meist als dunkles
Gebilde unmittelbar hinter dem Augenpaar im Bereich des Nackens gut zu erkennen. Aus diesem Eifleck ( Eierstöcke )
bilden sich in einer Reifezeit von ca. vier Wochen die fertigen Eier heran. -Vorweg ist ein Weibchen je nach Stimmung
( oder Altersabhängig ) nicht immer paarungsbereit, männliche Tiere hingegen sind immer Paarungsbereit-
Anschließend wird sich das weibliche Tier häuten. Dieser Zyklus der Paarungsbereitschaft der Weibchen nennt man auch Reifehäutung. Wie erwähnt folgt nach dieser, oder während der Häutung das freisetzen der Duftstoffe und versetzt
alle männlichen Tiere so in heller Aufregung. Hat eine männliche Garnele das Weibchen gefunden beginnt der entscheidende
Prozess des Paarungsreitens. Fest auf dem Rücken des Weibchen geklammert, versucht das Männchen so die weibliche
Garnele auf den Rücken zu werfen. Gelingt dem männlichen Tier dies nicht, versucht es an dem Weibchen seitlich hinunter
zu rutschen, um so sein in gallertartigen eingeschlossenem Samenpaket abzuliefern. Dieser Paarungsakt dauert meist nur
Bruchteile von Sekunden. Nun versucht das Weibchen sich einen geeigneten etwas geschützten Platz im Aquarium
aufzusuchen und presst die sich noch befindlichen Eier im Nacken aus den Eierstöcken in Richtung der Geschlechtsöffnung
unter krümmenden Bewegungen heraus. Die Schutzhülle der in gallertartigen Samenpakets löst sich auf und die Eier werden
befruchtet. Für die Eier geht es dann weiter in Richtung der Bauchtasche bzw. die Eier werden an den unterhalb
des Abdomens befindlichen Schwimmbeinen geheftet. Hier entwickeln sich in den Eiern, je nach Wassertemperatur
abhängig die Junglarven. Da die Bienengarnelen zu dem "spezialisiertem Fortpflanzungtyp" angehören, gehen die
entlassenen Junglarven sofort dem Bodenleben über und schon nach der ersten Häutung sind es fertig entwickelte
kleinste Ebenbilder gegenüber den Erwachsenen Garnelen. Erfahrene Weibchen bilden auch meist noch während
der Entwicklung der Junglarven in den Eiern, erneut die nächsten Eier.
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