Breeder Interview
Breeder Interview mit Carsten Logemann aus Oststeinbek.
Carsten & Frank Logemann Garnelenhaus
- Carsten, wie fing es an mit den Garnelen bei den Gebrüder Logemann ?
Als Kinder waren Frank und ich schon begeisterte Aquarianer, dies ließ dann aber mit der Jugend nach und das Hobby
musste anderen Interessen weichen. Im Jahr 2000 kam ich dann spontan auf die Idee mir wieder ein Aquarium
anzuschaffen und als ich mit dieser Idee bei Frank anklingelte, war er auch gleich wieder Feuer und wir durchforsteten
das Internet nach günstigen Angeboten, es sollte ja auch gleich ein größeres mit 400 Litern sein. Gesagt getan und
schon hatte jeder sein Becken zuhause. Anfangs kam das typische *Programm* mit Fischen ins Becken, aber wir
entdeckten in einem Zooladen auch Amanogarnelen und waren sofort fasziniert. Garnelen gab es damals zu Kindertagen
nicht und sofort kaufte sich jeder einen Trupp von 10 Stk.
- Welche Garnelen waren die ersten die euch begeisterten?
Die Amanos waren zuerst da, aber als wir dann nach weiteren Garnelen im Internet gesucht haben, fanden wir auf
japanischen Seiten die Crystal Red Garnelen und erst hier brach völlige Begeisterung aus.... Die mussten wir haben
und seitdem gibt es kein halten mehr.
- Irgendwann kam der Wunsch nach der Selbständigkeit, wie hat sich dies entwickelt?
Das Garnelenhobby breitete sich in den Wohnungen bei Frank und mir immer weiter aus, wie ein Schimmelpilz der über
eine Scheibe Brot kriecht und schon bald gab es kaum noch Platz für weitere Becken, geschweige denn für Alles andere
was man sonst so seiner Wohnung hat, weder in der Küche, noch im Bad oder Flur.... Der Überschuss an Garnelen
wurde überwiegend auf Börsen verkauft und das Hobby nahm einfach immer mehr unserer Zeit in Anspruch, sodass
wir einfach keine mehr hatten unseren Berufen nach zu gehen. Aus dieser Situation heraus keimte der Traum, sich
eines Tages ein Haus zu kaufen und den ganzen Keller mit einer Garnelenzuchtanlage auszubauen. Wir würden
zusammen wohnen, unsere Mutter gleich mit dazu holen und endlich ein Eigenheim haben. Wir könnten uns den ganzen
Tag mit den Garnelen beschäftigen, die *Freizeit* im eigenen Garten buddeln und einen Gartenteich anlegen, während
der Familienunterhalt im Keller erwirtschaftet wird..... na ja, so Träume, Größenwahn und Spinnereien die man eben
so hat wenn einem das Hobby zu Kopfe steigt. Wir ahnten ja noch nicht, dass all dies wahr werden würde. Der Gedanke
ließ mich nämlich nie los und so machte ich irgendwann Nägel mit Köpfen und trommelte die anderen zwei
Familienmitglieder für eine Familienratssitzung zusammen. Einfach mal hin zur Bank und schaun was die sagen.
Dann ging alles relativ schnell, kurz gesagt, das mit dem Darlehen klappte, wir suchten ein Haus und fanden schon
nach kurzer Zeit das perfekte Objekt, bauten in Eigenregie alles nach Wünschen um und schwupps, war das
Garnelenhaus geboren und der Traum ist Wirklichkeit geworden. Das Alles entwickelte sich dann enorm weiter,
Firmen und Hersteller wurden auf uns aufmerksam, drei Bücher haben wir bisher geschrieben und heute haben wir
zwei Mitarbeiter in Vollzeit einstellen können, ein Ladengeschäft gepachtet und vertreiben von dort neben Garnelen
auch allerlei Zubehör sowie auch in Funktion als Generalvertretung die japanischen Marken Aqua Design Amano (ADA)
und Shirakura...
- Wie viel Liter umfasst eure heutige Anlage ?
Das habe ich nie nachgerechnet, mit Ladengeschäft und Zuchtanlage im Haus dürften es vielleicht so ca. 8000-10000
Liter sein, mit Becken in unterschiedlichen Größen.
- Welche Garnelenarten finden die Kunden in eurem Reich vor ?
Die zähle ich hier jetzt besser nicht alle auf, denn der Bestand ändert sich ja auch und es kommen immer neue Tiere hinzu.
Ich muss aber hierzu sagen, dass wir längst nicht mehr alle Arten selber züchten können. Hier haben wir sehr gute Kontakte zu Züchterkolleginnen/kollegen in unserer Umgebung aufbauen können und auch aus dem ausgesuchten Großhandel bekommen wir Tiere, da sich ja *noch* nicht alle Arten nachzüchten lassen.
- Das leidige Thema zum Wasser. Welche Tipps könnt ihr weitergeben?
Unser Tipp wäre mehr Wert auf die Qualität zu legen, als auf die Wasserwerte. Wir haben den Eindruck es wird den
Werten wie Ph,GH, KH, Leitwert, etc. oft einfach zuviel Bedeutung beigemessen und Aquarianer schrauben mit allen
möglichen Mitteln und Methoden solange an ihrem Wasser herum, bis die *empfohlenen* messbaren Werte so exakt
wie möglich erreicht wurden, ohne darauf zu achten ob das Wasser überhaupt noch qualitätiv gut ist. Die oben
genannten Werte sagen nichts über die Wasserqualität aus,....
- Carsten, ihr arbeitet derzeit an einem Mineralsalz. Was könnt ihr dazu verraten und ist der Einsatz nur den
Sulawesi Garnelen vorbehalten ?
Wir haben uns 2008 in die Garnelen aus den Malili-Seen-System auf Sulawesi verliebt und seither versuchen wir die Tiere
zu halten und zu züchten. Bei den Garnelen aus dem Matanosee und auch dem Pososee scheint es *relativ* einfach, wenn
gleich die Tiere trotzdem erheblich empfindlicher sind als z.B. Red Fire und Co. Die Garnelen aus dem Towutisee machten
uns und anderen Züchtern aber große Kopfschmerzen. Sie sind praktisch nicht dauerhaft zu halten und Zuchterfolge sind
so wahrscheinlich, wie ein 6er im Lotto..... nicht unmöglich, aber selten.
Daher sind wir im Juni 2011 noch einmal nach Sulawesi geflogen und waren für Untersuchungen vor Ort, wie auch später
im Labor besser gerüstet. Bei den Wasseranalysen haben wir Unterschiede zwischen Matanosee und Towutisee herausgefunden und uns viel auf, dass in den üblichen Mineralsalzen und auch in vielen Leitungswassern Stoffe sind, die
zwar im Matanosee, aber nicht oder nur sehr reduziert im Towutisee vorhanden sind. Dies könnte auf eine höhere Empfindlichkeit auf diese Stoffe bei den Garnelen aus dem Towutisee hindeuten. Auf dieser Grundlage entwickeln wir
zur Zeit ein Mineralsalz, mit dem man nahe an die Wasserbedingungen vor Ort gelangen kann und wir erhoffen uns
hier Verbesserungen in der Haltung und Zucht. Dies wird aber die Zeit zeigen und wenn es keine Verbesserungen geben
sollte, so hat man zumindest den Faktor Wasser als mögliche Problemursache weitestgehen ausgeschlossen und man
muss weiter in andere Richtungen forschen.
- Ihr verfügt über eine Anzahl diverser Sorten zu aktiven Bodengründen. Welcher Boden hat sich besonders
bewährt ?
Das ist pauschal nicht zu beantworten, da es davon abhängt was man für ein Aquarium haben möchte. Für
Pflanzenaquarien ist der ADA New Amazonia die beste Wahl. Durch die Qualität und den hohen Nährstoffgehalt ist
dieser bei Aquascapern weltweit sehr beliebt. Für die Garnelenzucht, insbesondere der Bienengarnelen halten wir
den Shirakura RedBeeSand und Volcamia von Hirose für optimal. Die von Hirose und Herrn Shirakura empfohlene
Bodenfilterung für ihre aktiven Böden wurde anfangs belächelt, hat sich dann aber in Asien und auch in Deutschland durchgesetzt.
- Zu der Filterung eines Aquariums. Welches Minimum an Durchflussmenge sollte Voraussetzung in einem
Garnelenaquarium vorhanden sein ? Man liest ja das die Garnelen teils in strömungsreichen Wassern leben.
Auch dies lässt sich so pauschal leider nicht beantworten, da es abhäging von den gepflegten Arten ist. Fächergarnelen
mögen meist stärkere Strömung, während die farbigen Sulawesigarnelen praktisch keine Strömung kennen. Man sollte
daher aber natürlich nicht auf eine Filterung verzichten, dies wäre wohl fatal, aber wir verwenden für die Sulawesis z.B.
einen Außenfilter, wo wir Ein- und Auslass mit einem sehr feinen Schwamm versehen, sodass die Strömung im Becken,
trotz guter Durchflussgeschwindigkeit im Filter, sehr gering ist.
- Sind Erfahrungswerte identisch zu einer Filterung mit Außenfilter, Bodenfilter, Motorinnenfilter oder HMF
( mechanisch durch Motor oder Luftbetrieb ) ?
Filter ist Filter, solange er seinen Job richtig macht und ausreichend für den Bedarf ist, ist die Wahl der Filter meist
Geschmacksache. Bei Verwendung von luftbetriebenen Filtern ist zu bedenken, dass die viel CO2 entfernen, was für
Pflanzenaquarien eher nicht so gewünscht ist. Die Verwendung der richtigen Filtermedien ist auch sehr wichtig. So
verwenden Aquascaper und Pflanzenaquarianer oft kein Filtermedium welches z.B. auch Nitrat entfernen kann, wie z.B.
Siporax. Sie wollen ja die Nährstoffe für Pflanzen im Becken haben und nicht rausfiltern. Bei Garnelen ist es aber ratsam
den Nitratwert nicht zu hoch steigen zu lassen, daher ist hierfür das Siporax (oder ähnliche Produkte) zu empfehlen.
- Viele Züchter klagen über das nicht hochkommen der Jungen ?
Babygarnelen sind meist sehr empfindlich. Sie sind schwach und häuten sich im Vergleich zu adulten Garnelen auch sehr
häufig. Daher muss alles stimmen, von der Wasserqualität bis zur richtigen Versorgung. Ein guter Belag an Biofilm auf
allen Oberflächen ist wichtig. Diesen zu fördern gilte es und das macht man am besten mit entsprechendem
Aufzuchtfutter, welches sowohl die Babygarnelen als auch die Mikroorganismen verwerten. Dies ist allerdings noch
keine Garantie das es dann klappt. Manchmal sind die Bedingungen für Mikroorganismen nicht gut oder noch nicht gut
genug und sie können sich einfach nicht ausreichend entwickeln. In solch Milieu kommen dann auch kaum junge
Garnelen hoch.
- Wie viel Länder durftet ihr in der Verbindung mit den Garnelen schon bereisen ?
Leider viel zu wenige, da man ja kaum weg kommt wenn man sich eine neue Existenz aufbaut. Wir waren aber schon mehrfach in Japan und auf Sulawesi.
- Gibt es verborgene Schätze zu den Süßwassergarnelen die noch aus der Natur kommen könnten ?
Davon bin ich überzeugt, da die Suche nach Garnelen relativ neu ist und garnelenmäßig noch viele weiße Flecken auf
der Landkarte sind. Die Tiere aus Sulawesi sind aber schon ein Highlight das es nicht so oft geben wird. Aber auch hier
sind wir ja bei unserer letzten Reise wieder auf eine neue Art gestoßen und sicher gibt es auch dort noch einiges zu
entdecken.
- Was könnte uns an Garnelenkreationen in Zukunft aus heimischen Anlagen noch erwarten ?
Da bin ich auch sehr gespannt. Die neue Pinto Zuchtform von Astrid Weber und auch die neue Form der Neocaridina
heteropoda in schönem orange lassen mich mit Spannung in die Zukunft schaun was entweder daraus gemacht wird oder
noch ganz neues kommt.
Ich bedanke mich recht herzlich bei Carsten Logemann für dieses Interview. Weiter möchte ich mich auch bei Frank Logemann bedanken, für den bildlichen Einblick ins innere des Garnelenhauses der Gebrüder Logemann.
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